Stranger 002/100 : Julius & Rudi

Stranger 002/100

Meinen zweiten Fremden, Julius (67 Jahre) traf ich am 11. Oktober 2012 an der Rückseite einer Telefonzelle in der Konstantinstraße. Er spricht kein Englisch und nur ein paar Worte deutsch, sodass ich kurzerhand ein Wörterbuch aus der Bibliothek auslieh, um mehr über Julius zu erfahren. Zuerst war Julius sehr schüchtern. Sein treuer Begleiter heißt Rudi und ist ein ausgesprochen lieber Hund, der mich gleich anschwänzelte und meine Hände abschleckte. So ging ich schnell in einen Laden und kaufte ein paar Leckerlies. Darüber freute Julius sich genauso wie Rudi und nun wurde er auch etwas aufgeschlossener.  Julius hat einen Sohn (23 Jahre), der ebenfalls Julius und zwei Töchter, Maria (26 Jahre) und Anko (29 Jahre). Julius Junior hat Krebs, man hat 3 Tumore in seinem Bauch gefunden. Julius selbst hatte eine Bypass-Operation und kann seither nicht mehr arbeiten. So kam Julius gemeinsam mit seiner Frau Petra (51 Jahre) nach Trier, um zu betteln, damit er die Krankenhausrechnungen für seinen Sohn bezahlen kann. Hier haben sie keine Wohnung, nur ein Zelt und manchmal reicht das Geld nicht einmal für genügend Lebensmittel. Doch für Rudi besorge er immer etwas, versichert mir Julius.

Ich sah die beiden noch öfters, wenn ich in der Stadt unterwegs war. Im Juni 2014 hatte ich Abzüge der Fotos von Anita und Julius ausgedruckt und laminierten, um sie als Arbeitsproben den Leuten zu zeigen die ich ansprach. Als ich Julius an diesem Tag wieder traf, schenkte ich ihm den großen laminierten Ausdruck und er freute sich riesig.

Natürlich kann ich nicht überprüfen was mir Julius über seine Familie erzählt hat. Vielleicht ist es alles erfunden, um Mitleid zu erwecken. Trotzdem freue ich mich jedes mal die beiden zu sehen.

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